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Trainingsraum

Seit dem 23.03.2009, pünktlich nach den Frühjahrsferien, gibt es an der Schule Neugraben einen Trainingsraum. Und wie das Wort schon sagt wird hier trainiert, jedoch nicht auf sportlich-körperlicher Ebene, wie man denken könnte, sondern mental. Es handelt sich hierbei um ein Projekt, dass ursprünglich aus Amerika stammt und dort große Erfolge erzielt hat. Auch hier in Deutschland erfreut sich die Trainingsraum-Methode immer größerer Beliebtheit, seit sich herumgesprochen hat, dass es eine effektive Methode ist, um Schülerinnen und Schüler zu mehr Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu erziehen und um den Lehrerinnen und Lehrern Wege aufzuzeigen, ihren Unterricht möglichst störungsfrei durchzuführen.

Der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule umfasst auch die Vermittlung von Werten und Normen. Schülerinnen und Schüler benötigen nicht nur eine gute Allgemeinbildung, sondern ebenfalls eine Persönlichkeitsbildung, die sich an den Werten unserer Gesellschaft orientiert. Dazu gehören Verantwortungsbereitschaft, die Anerkennung von Regeln im Umgang miteinander, Entscheidungsfähigkeit, Problemlösungskompetenz sowie Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft. Die Schülerinnen und Schüler sollen befähigt werden, eigene Rechte zu wahren und die Rechte anderer zu respektieren.Es handelt sich also um eine Werte-Erziehung, die eigenverantwortliches Denken und Handeln und die daraus resultierenden Konsequenzen trainiert. Die Trainingsraum-Methode wird bei uns ab Klasse 5 eingeführt.

 Das Programm basiert auf drei Grundregeln:

  1. Jede Schülerin und jeder Schüler hat das Recht ungestört zu lernen.
  2. Jede Lehrerin und jeder Lehrer hat das Recht ungestört  zu unterrichten.
  3. Jede/r muss stets die Rechte der anderen respektieren.

Über diese Regeln kann nicht abgestimmt werden, da es keine Alternative zum respektvollen Umgang gibt. Es ist die Pflicht der Schule Toleranz, Einsicht, Respekt, Empathie, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsbereitschaft für die Gruppe zu fördern. In der Klasse können daraus Klassenregeln abgeleitet werden, z .B . 

  1. Ich höre zu, wenn andere sprechen.
  2. Ich melde mich und warte, bis ich aufgerufen werde.
  3. Ich gehe rücksichtsvoll mit anderen um.
  4. Ich passe im Unterricht auf und beteilige mich.
  5. Ich spreche und verhalte mich höflich.
  6. Ich achte das Eigentum anderer.
  7. Ich befolge die Anweisungen meiner Lehrerinnen und Lehrer.

Oder:

  1. Wir sitzen zum Unterrichtsbeginn alle auf unseren Plätzen, halten die Materialien bereit  und passen auf.
  2. Wir halten im Unterricht die Arbeitsruhe ein.
  3. Wir wenden keine körperliche, seelische und verbale Gewalt an.
  4. Wir sind freundlich und höflich.
  5. Wir respektieren das Eigentum anderer.
  6. Wir achten auf Sauberkeit und Ordnung.

Wenn ein Schüler in der Klasse den Unterricht stört, wird er respektvoll ermahnt und gefragt, ob er sich lieber an die Regeln halten möchte oder ob er in den Trainingsraum für verantwortliches Denken gehen möchte. Dazu wird der folgende Frageprozess durch die Lehrkraft durchgeführt:

Erste Störung: 

  1. "Was tust du gerade?"
  2. "Wie lautet unsere Regel?"
  3. "Was passiert, wenn du dich nicht an diese Regeln hältst?"
  4. "Wofür entscheidest du dich?"
  5. "Und falls du wieder störst, was passiert dann?"

Zweite Störung: Keine Diskussion, "Du hast dich entschieden in den Trainingsraum zu gehen."

Der Trainingsraum wird an unserer Schule von Frau Külper betreut. Sie dokumentiert das Erscheinen des Schülers und erstellt, wenn das Kind zurück in die Klasse möchte, gemeinsam mit ihm einen Rückkehrplan, indem es darlegt, mit welchem Verhalten es  das nächste Mal schaffen will, die Ziele zu erreichen, ohne die anderen in der Klasse zu stören. Dies setzt voraus, dass der Schüler oder die Schülerin sich Gedanken darüber macht, was er/sie denn selber möchte, was die anderen möchten und wie er bzw. sie  seinen/ihren Beitrag für die Gemeinschaft leisten kann.

Dieser Rückkehrplan liegt nun schriftlich vor und wird ein zweites Mal in Reinschrift übertragen. Das 1. Exemplar verbleibt in der Schülerakte im Trainingsraum. Mit der Reinschrift des im Trainingsraum besprochenen Rückkehrplans geht der Schüler zurück in die nächste Unterrichtsstunde der Lehrkraft, die ihn geschickt hat, ohne erneut zu stören. Der Lehrer bespricht, sobald es die Zeit erlaubt, diesen Plan und es wird eine Vereinbarung auf der Grundlage des Plans getroffen. Sollte der Rückkehrplan nicht akzeptiert werden, schreibt die Lehrkraft eine kurze Begründung und der Schüler bearbeitet den Rückkehrplan erneut. Ab dem 2. Mal Aufenthalt im Trainingsraum erfolgt eine Mitteilung an den Klassenlehrer und an die Eltern per Brief. Nach dreimaligem bzw. viermaligem Aufenthalt eines Schülers erfolgt ein Gespräch zwischen dem Klassenlehrer, dem Kind sowie dessen Eltern und nach fünfmaligem Besuch wird eine Klassenkonferenz durchgeführt.

 Die Trainingsraum-Methode ist nun mehr nach sieben Jahren in weit über 100 Schulen des gesamten Bundesgebietes fest verankert, und zwar in allen Schulformen. Es ist ein "Erfolgskonzept" mit dem Ziel, die Eigenverantwortung der Schüler zu stärken. Das Programm stellt einen der möglichen Wege zu diesem Ziel dar. Es gibt bestimmt noch andere Wege. Wir haben diesen gewählt, weil damit gute Erfahrungen gemacht wurden.